Dort liegt das alte, niemals geheilte Übel, die niemals veränderte Wurzel, die dunkle Matrix unseres Elends, kaum anders als jene zur Zeit der Lemuren. Diese physische Substanz muss also transformiert werden, sonst wird sie nacheinander all die menschlichen oder übermensch- lichen Kunstgriffe, die wir darüber stülpen möchten, zunichte machen. Dieser Körper, diese physische, zellulare Substanz enthält »allmächtige Kräfte«, (Savitri, IV.III. 370) ein stummes Bewusstsein, das alle Lichter und alle Unendlichkeiten enthält, ebenso wie die mentalen und spirituellen Unermesslichkeiten - denn in Wahrheit ist alles göttlich, und wenn der Herr des Universums nicht in einer einzigen kleinen Zelle haust, ist er nirgendwo. Dieses düstere ursprüngliche zelluläre Gefängnis muss aufgebrochen werden. Und solange wir das nicht tun, werden wir uns weiter vergeblich im goldenen oder eisernen Zirkel unseres mentalen Gefängnisses drehen. »Die sogenannten absoluten Naturgesetze«, sagt Sri Aurobindo ... »sind nur ein von der Natur eingerichtetes Gleichgewicht, eine Rille, in der die Natur zu arbeiten gewohnt ist, um gewisse Resultate zu erzielen. Aber wenn man das Bewusstsein wechselt, wird sich zwangsläufig auch die Rille ändern.« (A.B. Purani, Evening Talks, S. 92)  

Dies ist das neue Abenteuer, zu dem Sri Aurobindo uns einlädt, ein Abenteuer ins Unbekannte des Menschen. Ob wir es wollen oder nicht, die gesamte Erde ist dabei, zu einer neuen Rille überzugehen - aber warum nicht willentlich? Warum arbeiten wir nicht mit an diesem unerhörten Abenteuer, an unserer eigenen Evolution, anstatt tausendmal dieselbe alte Geschichte zu wiederholen, anstatt künstlichen Paradiesen nachzujagen, die unseren Durst niemals stillen werden, oder jenseitigen Paradiesen, die unsere Erde samt unseren Körpern der Fäulnis überlassen. »Warum erst anfangen,

wenn es bloß darum geht, hinauszukommen?« rief Die Mutter aus, die das Werk Sri Aurobindos fortsetzt. »Wozu dient es, so viel gekämpft, so viel gelitten zu haben, etwas geschaffen zu haben, das zumindest seiner äußeren Erscheinung nach so tragisch und dramatisch ist, wenn es bloß darum geht, zu lernen, sich aus dem Staub zu machen - wir hätten besser gar nicht erst damit angefangen!... Die Evolution ist kein gewundener Weg, um abgekämpft an den Ausgangspunkt zurückzukommen; ganz im Gegenteil,« sagt Die Mutter, »es geht darum, die gesamte Schöpfung, die Freude des Seins, die Schönheit des Seins, die Größe des Seins zu lehren, die Majestät eines sublimen Lebens und andauernde Entwicklung, ununterbrochen fortschreitend in dieser Freude, dieser Schönheit, dieser Größe - dann ergibt alles einen Sinn.« (Entretiens, 1958, S. 231)

Dieser Körper, dieses so obskure Lasttier, das wir bewohnen, ist das Erfahrungsfeld von Sri Aurobindos Yoga - der ein Yoga der ganzen Erde ist, denn es leuchtet ein: Wenn ein einziges Wesen unter unseren Millionen Leidenden es schafft, den evolutionären Sprung und die Mutation des nächsten Zeitalters in sich zu vollziehen, wird das Gesicht der Erde dadurch radikal verändert, und alle sogenannten Mächte, deren wir uns heute rühmen, werden wie Kinderspiele erscheinen angesichts dieses Strahlens des Allmächtigen in einem Körper materialisierten Geistes. Sri Aurobindo sagt uns, es sei möglich - nicht nur möglich sondern unausweichlich. Es ist dabei zu geschehen. Und vielleicht hängt alles nicht so sehr von einer äußersten Anstrengung des Menschlichen ab, seine Grenzen zu überschreiten - denn dies bedeutete, auf unsere eigenen menschlichen Kräfte zurückzugreifen, um uns von diesen menschlichen Kräften zu befreien -, als vielmehr von einem Ruf,

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